Psychische Gesundheit: heute investieren, um zukünftige Kosten zu vermeiden
Die psychische Gesundheit wurde lange Zeit als Privatsache oder als rein medizinisches Problem betrachtet, gilt jedoch heutzutage als zentrales Anliegen für jedes Unternehmen. Chronischer Stress, Ängste, berufliche Erschöpfung oder Depression können die Arbeitsfähigkeit Ihrer Mitarbeitenden dauerhaft einschränken und schwerwiegende Folgen für den Betrieb haben. Psychische Störungen belasten den betroffenen Menschen, sind aber auch ein erheblicher Kostenfaktor für Arbeitgeber, Versicherer und für das gesamte Gesundheitssystem.
Laut IV-Statistik werden mehr als 50% der Invalidenrenten auf Grund einer psychisch bedingten Störung zugesprochen. Die Frage, ob Prävention im Bereich der mentalen Gesundheit zu den lohnendsten Investitionen gehört, die ein Unternehmen tätigen kann, ist somit mehr als berechtigt. Dies nicht nur, um Krankschreibungen zu vermeiden, sondern auch um entsprechende Folgekosten zu verringern.
- Eine Herausforderung – menschlich und wirtschaftlich
- Was können Arbeitgeber tun?
- Prävention dient auch der Kostenkontrolle
1. Eine Herausforderung – menschlich und wirtschaftlich
Mitarbeitende mit psychischen Belastungen verursachen nicht nur medizinische Kosten: Die Produktivität des Unternehmens sinkt, die Belastung der Kolleginnen und Kollegen steigt und löst eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation, möglicherweise einen Know-how-Verlust sowie erhöhte Rekrutierungs- und Versicherungskosten aus.

Tasache ist, dass häufige Krankschreibungen zu höheren Prämien für die Krankentaggeldversicherung führen: Es kann vorkommen, dass Betriebe im Vergleich zum kantonalen Durchschnitt drei- bis viermal höhere Beiträge bezahlen müssen.
Folglich ist die psychische Gesundheit nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, sondern sie übt einen direkten Einfluss auf die Produktivität und Stabilität des Unternehmens aus.
Frühzeitig handeln
Wenn Warnsignale frühzeitig erkannt werden, sind die Interventionsmöglichkeiten oft zahlreicher und die Genesungschancen höher.
Wenn sich eine Situation hingegen über mehrere Monate hinweg allmählich verschlechtert und unbeachtet bleibt, können für die Angestellte oder den Angestellten und für den Betrieb weit schwerwiegendere Folgen entstehen.
Deshalb ist Prävention ein wichtiger Hebel.
Verbesserter, aber weiterhin umstrittener Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten
Seit Juli 2022 gilt in der Schweiz, dass psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auf ärztliche Anordnung hin zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung selbständig und auf eigene Rechnung tätig sein können. Mit dieser Neuregelung sollte der Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung erleichtert werden.
Nach dem Willen der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats sollen nun die Regeln für die Übernahme der psychologischen Psychotherapie durch die Grundversicherung verschärft werden. Dies weil die Kosten für Psychotherapien sich von wenig mehr als 500 Millionen Franken 2021 auf über 900 Millionen Franken 2024 fast verdoppelt haben.
Laut Evaluationen der Bundesbehörden ist eine Verbesserung des Zugangs zur Psychotherapie eingetreten, und das neue Modell wird von den Fachpersonen und von der Patientenschaft insgesamt als Erfolg gewertet.
Für Arbeitgeber stellt sich jedoch auch folgende Frage: Wieviel kostet eine verzögerte Behandlung?
2. Was können Arbeitgeber tun?
Die psychische Gesundheit kann durch die Arbeitsorganisation und die Betriebskultur massgeblich gefördert werden.
Führungskräfte zur Erkennung von ersten Anzeichen schulen
Teamleader werden oftmals als Erste auf bestimmte Veränderungen aufmerksam:
- Übermüdung, Reizbarkeit;
- Konzentrationsschwierigkeiten;
- Motivationsmangel, Rückzug;
- Leistungsabbau.
Ziel ist hier nicht, eine Diagnose zu stellen, sondern es geht darum, das Gespräch zu suchen, zuzuhören und der betreffenden Person nötigenfalls die geeigneten Ressourcen aufzuzeigen.
Eine Vertrauenskultur pflegen
Häufig sprechen Mitarbeitende erst dann von ihren Schwierigkeiten, wenn diese ein kritisches Niveau erreicht haben.
Ein Umfeld, in dem Anliegen ohne Angst vor Verurteilung und Stigmatisierung vorgebracht werden können, begünstigt eine frühzeitige Betreuung und verhindert oft eine Verschlimmerung der Probleme.
Regelmässige Beurteilung der Arbeitsbelastung
Prävention bedeutet auch, die Arbeitsorganisation zu hinterfragen..
Bestimmte Situationen verursachen eine erhöhte psychische Anfälligkeit:
- chronische Überlastung;
- Personalmangel;
- unrealistische Zielvorgaben;
- mangelnde Autonomie;
- ungeklärte Konflikte;
- fehlende Anerkennung.
Hier Abhilfe zu schaffen trägt oft wesentlich mehr zur Prävention bei als reine Sensibilisierungsmassnahmen.
Professionelle Hilfe frühzeitig in Anspruch nehmen
Wie bei zahlreichen physischen Erkrankungen gilt auch hier, dass die Erfolgschancen besser sind, wenn eine Behandlung frühzeitig einsetzt.
Eine wertvolle Präventionsmassnahme besteht somit darin, Mitarbeitende über die verfügbaren Ressourcen zu informieren und sie zu ermutigen, Situationen anzusprechen, bevor diese problematisch werden.
Messen, um besser zu verstehen
Die Betriebe verfügen hierzu über zahlreiche nützliche Indikatoren:
- Abwesenheitsquote,
- wiederholte kurze Fehlzeiten,
- Mitarbeiterfluktuation,
- Ergebnisse interner Erhebungen,
- Anträge auf Anpassung der Arbeitszeiten,
- gegebenenfalls Rekrutierungsschwierigkeiten wegen Imageverlust des Unternehmens.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet lassen sich anhand dieser Indikatoren oftmals Tendenzen ableiten und chronische Entwicklungen verhindern.
3. Prävention dient auch der Kostenkontrolle
Psychische Gesundheit ist für Arbeitgeber heutzutage ein strategisches Anliegen.
Indem die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden gestärkt wird, werden nicht nur Motivation und Lebensqualität bei der Arbeit gefördert, sondern auch wirtschaftliche Folgen von Gesundheitsproblemen und längeren Fehlzeiten in Grenzen gehalten.
Die Prävention von psychischen Störungen beruht nicht nur auf individuellen Massnahmen. Das Gefühl der Teamzugehörigkeit, die Qualität der Arbeitsbeziehungen und die gegenseitige Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen spielen für das Wohlbefinden im Beruf ebenfalls eine wichtige Rolle. Mitarbeitende, die sich integriert, anerkannt und unterstützt fühlen, kommen in der Regel mit Stressphasen oder persönlichen Schwierigkeiten besser zurecht.
Deshal bietet HOTELA gemeinsam mit ihrem Partner ITAO ein Schulungsprogramm zur Reduktion von Absenzen. Die praktischen Workshops fördern das Gleichgewicht, die Körperhaltung und die Tiefenmuskulatur, aber auch den Teamgeist. Ziel ist es, sowohl die physische Gesundheit als auch die Beziehungen innerhalb des Teams zu stärken.
Wenn dennoch eine Arbeitsunfähigkeit eintritt, ist die Betreuung der betreffenden Person entscheidend. Deshalb hält HOTELA auch Spezifische Lösungen für den Umgang mit Absenzen, die Betreuung in komplexen Situationen und bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz bereit, die in einem früheren Artikel vorgestellt wurden.
Investitionen in die psychische Gesundheit mögen zwar aufwendig sein, doch: Auch Untätigkeit hat ihren Preis.
Jede vermeidbare Absenz, jede frühzeitig entdeckte und überwundene Situation erhöht nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeitenden, sondern trägt auch zum Erhalt der Betriebskontinuität bei.
Eine bessere Prävention unterstützt die Kostenkontrolle in den Bereichen Gesundheit, Absentismus und Versicherungsprämien.
Die eigentliche Frage lautet für Sie somit nicht:
Wieviel kostet Prävention?
Sondern vielmehr:
Wieviel würde mich das Fehlen von Prävention kosten?
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